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Next generation Wegener

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Interview mit der Geschäftsführerin Theresa Wegener

Theresa Wegener leitet seit Ende 2018 in siebter Generation das Traditionshaus R. & M. Wegener. Die Firma wurde vor über 200 Jahren als kleines Familienunternehmen in Hamburg, Altona, gegründet, zu einer Zeit, in der die Melone und der Zylinder die Herrenmode beherrschten. 1884 siedelte der Betrieb ins hessische Lauterbach um, baute Wohnungen für seine Mitarbeiter und sorgte sogar für ein Schwimmbad. Von hier aus entwickelte sich R. & M. Wegener zu einem weltweit führenden Anbieter für Kopfbedeckungen. Das Angebot wurde kontinuierlich erweitert. Heute reicht das vielfältige Sortiment von Strickmützen und Baseballcaps über Baker Boy-, oder auch Baskenmützen bis hin zu Schals.
Mit Theresa steht nun erstmals eine Frau an der Unternehmensspitze. Anlass genug für ein Gespräch.

Wann hast du gemerkt, dass du das Unternehmen fortführen möchtest?

Die Firma hat mein Leben schon immer geprägt – seien es die Gespräche abends zuhause über die täglichen Herausforderungen, denen mein Vater sich gegenüber sah, oder die Zeit, die ich während sämtlicher Schul- oder auch Semesterferien immer in verschiedenen Abteilungen verbracht habe. Mein Bruder und ich sind einfach damit aufgewachsen. Doch es schlugen immer zwei Herzen in meiner Brust – auf der einen Seite hängt man an dem Unternehmen und will nicht die Generation sein, an der es jetzt nach über 200 Jahren scheitert, auf der anderen Seite sieht man natürlich auch die Schwierigkeiten und Hürden, die es mit sich bringt. Man muss bereit sein alles zu geben und gleichzeitig auf vieles zu verzichten – und auch Nachtschichten einzulegen oder das Wochenende durchzuarbeiten.

Nach meinem Studium in Wirtschaftspsychologie und Volkswirtschaft und ersten Stationen bei Zalando, Ogilvy und zooplus habe ich bemerkt, dass mich das Thema nach wie vor begeistert. An einem Abend saßen mein Bruder und ich mal lange zusammen und haben über verschiedene Möglichkeiten gesprochen wie es weitergehen könnte und da wurde mir bewusst – wir könnten nicht verkaufen, ich würde mich immer fragen „was wäre gewesen wenn?“ also war uns da klar, jetzt war der Zeitpunkt gekommen.

Was würdest du als größte Herausforderung für Wegener sehen?

Ein über zwei Jahrhunderte gewachsenes Familienunternehmen verlangt den Spagat zwischen Tradition und Zeitgeist. Wir dürfen keine Angst vor Veränderungen haben und sollten Neues als Chance angehen.

Einfach weiter so wäre zu wenig

Denn Hüte und Mützen zu verkaufen, ist kein Selbstläufer mehr. Einfach „weiter so“ wäre zu wenig, um das Unternehmen in die Zukunft zu führen.

Die letzten 40 Jahre hat dein Vater das Unternehmen geleitet. Wie hat er Wegener geprägt?

Mein Vater konnte in seiner Laufbahn viele Erfolge verbuchen. Die Ausstattung der deutschen Olympioniken, die Hüte für Werbungen und Filme, u.a. mit Moritz Bleibtreu, sowie verschiedene Wirtschaftspreise gehen auf sein Konto. Für seine sozialen und unternehmerischen Aktivitäten wurde er beispielsweise mit dem “Mein Gutes Beispiel”-Preis von Liz Mohn und der Bertelsmann Stiftung ausgezeichnet. Ich bin froh, dass er mich das erste Jahr noch intensiv begleitet und mir alle Abläufe gezeigt hat. Seine Erfahrung ist für mich Gold wert. Auch jetzt steht er mir als Mentor noch jederzeit zur Seite.

Du betonst gerne die Vielfalt bei Wegener. Was hat es damit auf sich?

Vielfalt ist der Kern von Wegener

Das zeigt sich in unserem breiten Produkt- und Design-Spektrum. Wir glauben nicht an „one size fits all“. Jeder Mensch ist einzigartig. Wir möchten Menschen dabei unterstützen ihre authentische Persönlichkeit auszuleben und freuen uns, mit unseren Kopfbedeckungen dazu beitragen können. Zusammenfassend ist unser Credo also „You do you – und wir machen den dazu passenden Hut!“

Wie entstehen neue Produkte bei Wegener?

Dreh- und Angelpunkt ist Lauterbach. Von der Designentwicklung über die Begutachtung aller Stoffe bis zur Qualitätskontrolle, Lagerung und Auslieferung – hier laufen alle Fäden zusammen. Zu Beginn jeder neuen Kollektionserstellung – wir entwickeln für unsere Eigenmarke zwei Kollektionen pro Jahr – fahren wir nach München zur Stoffmesse und entscheiden, in welche Richtung es gehen soll. Danach besuchen wir unsere Lieferanten und entscheiden uns für die Styles, Materialien und finalen Farben. Dabei haben wir immer die Wünsche und die Sicht der Kunden – das ist für uns stets der Ausgangspunkt für jedes neue Produkt.

Wie erlebst du es, die erste Frau an der Spitze des Unternehmens zu sein?

Ich bin extrem dankbar und auch stolz unseren Familienbetrieb fortzuführen und ihn als erste Frau zu leiten. Welches Unternehmen schafft es schon in die siebte Generation? Leider hat man als Frau in einer Geschäftsführungsposition auch mit Vorurteilen zu kämpfen. Die gestalterischen Aufgaben werden einem schnell zugetraut, die Führungsaufgaben schon weniger. Einige Mitarbeiter kennen mich zudem schon von klein auf. Für viele war der Rollenwechsel eine echte Herausforderung. Da musste ich mich also erst einmal beweisen. Doch mit der neuen CI, dem Thema Digitalisierung und dem Aufbau unserer eigenen Marke gibt es dafür jede Menge Gelegenheiten. Der Launch unseres eigenen Webshops ist dabei ein erster Meilenstein. Und ich habe es nie bereut – ich freue mich auf alles, was die Zukunft für uns bereithält.

Videointerview Theresa Wegener
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